ONLINE-KONGRESS
12.11. bis 22.11.2020

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Theresa Donath

Fachkraft für Palliative Care

Mit Theresa habe ich mich über die Kommunikation mit Patienten und Zugehörigen am Lebensende unterhalten. Wenn sich ein Patient oder Zugehöriger vor mir so authentisch zeigen kann, dass er weinen und seine Wut herauslassen kann, ist das für mich ein großer Vertrauensbeweis. Ich tue mich schwer damit, zu sagen, dass ich emphatisch bin, denn das bedeutet, mit den Gefühlen mitzuschwingen und das ist es genau, was ich nicht möchte. Ich kann mich reinversetzen und es verstehen, muss aber nicht für alles Verständnis haben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich den Raum auch verlassen und nach 10 Minuten wieder reinkommen kann. So haben Emotionen die Möglichkeit, sich ein wenig zu legen und wir können auf einer anderen Ebene weiterreden. Ich muss mich davon nicht mehr persönlich angegriffen fühlen. Aushalten ist beinahe die größte Herausforderung und ich weiß, wie schwer das für die Fachkräfte, Patienten und Zugehörigen ist.

Theresa Donath

Seit meiner Kindheit schleichen das Thema Tod und die Angst vor diesem Mysterium wie eine schwarze Katze um meine Beine, versucht auf Abstand gehalten, so weit wie möglich.

In der Retroperspektive fällt mir jedoch auf, dass ich als Kind wohl meine Faszination für das Ende des Lebens doch nicht so weit weggeschoben hatte, wie ich dachte. Ich hatte ein Faible für Skelette, verkleidete mich als solches im Kindergarten und las mit Staunen die medizinischen Bücher meiner Mutter.

Doch die andere Seite der Vergangenheit zeigt auch Verlusterfahrungen auf, die mich der Auseinandersetzung mit Trauer und dem eigenen Sterben in einer ernsten und eben nicht spielerischen Weise aussetzten.

Ob das letztendlich den Weg zur Palliative Care Fachpflegerin geebnet hat, lässt sich nur vermuten. Dennoch glaube ich, dass ich aufgrund durchlebter Erfahrungen mit Trauer und Begleitung in verschiedenen Phasen meines Lebens die Fähigkeit erworben habe, mich reflektiert bei meiner Arbeit auf der Palliativstation in Betroffene, Zugehörige und Personal einzudenken. Die Pfade im Dschungel von Angst und Unsicherheiten, von eigener Lebensmüdigkeit und Sinnfragen im Leben habe ich selbst durchwandert, tue dies immer noch, und kann dadurch ein Wegbegleiter sein, um zu sagen: „Komm, ich weiß wo es langgeht!“

Durch die direkte Konfrontation und Auseinandersetzung mit meinen Ängsten vor dem Sterben durch meine Arbeit auf einer Palliativstation und einem Ehrenamt als Notfallseelsorgerin wurde die schwarze Katze aus der Kindheit mit den Jahren und dem Erwachsen zutraulicher. Aber mir wurde auch bewusst, wie stark die Macht eines Tabus ist, wie stark die Verdrängung rund um die Themen Vergänglichkeit und Trauer in dieser Gesellschaft – vor allem im Zusammenhang mit Emanzipation - nahezu praktiziert wird, und mir liegt es am Herzen, mit meinen Texten über Palliativmedizin und -pflege, Notfallseelsorge und kritisches, reflektiertes Denken dem entgegenzuwirken. Menschen die Angst zu nehmen, indem man darüber spricht, Fragen stellt, sich austauscht. Dafür schreibe und spreche ich, mit meiner schwarzen Katze auf der Schulter.

https://cirangle.wordpress.com

Instagram: https://www.instagram.com/kaethe.kiebig/

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